Vereinigung ehemaliger Wolbecker Gartenbauschüler e.V.

Die frühchristliche Klosterstätte Glendalough

Studienreise der „Wolbecker Pflanzen“ nach Irland

Froh gelaunt und voller Erwartung trafen sich 38 Ehemalige (darunter einige Gäste) am 17.07.2005 auf dem Flughafen in Düsseldorf. Nach knapp 2-stündiger Flugzeit landeten wir auf dem Dubliner Flughafen, der an diesem Tag sehr voll war, da in Irland die Schulferien (Dauer 3 Monate !!) begannen.

Es hatte den Anschein: Die Wolbecker kommen – und ganz Dublin wandert aus. Am Flughafen wurden wir von unserer Reiseleiterin Greta Kelly und Busfahrer Liam Finnegan (zwei echte Iren) empfangen.

Bei der ersten Stadterkundung besuchten wir die St. Patrick`s Cathedrale und die Universität Trinity College, wo sich in der Bibliothek das berühmte „Book of Kells“ befindet. Dieses ist ein reichlich illuminiertes Evangelienbuch aus dem 9. Jahrhundert. An diesem Sonntag fand – in der Nähe unseres Hotels – das Endspiel im Gaelic Football statt, eine Mischung aus Fußball und Rugby. Nach dem Spiel strömten die 80.000 Besucher in die Stadt und feierten Sieg/Niederlage ganz ausgiebig mit reichlich Guinness und anderen Trostspendern in den Pubs. Nach dem ersten gemeinsamen Abendessen und einer Kennlernrunde machten wir uns auf, Dublin am Abend zu erkunden. Dabei konnte man sich mit der „Zweisprachigkeit“ vertraut machen. Neben Englisch wird auch Gälisch gesprochen/verwendet; dies ist die 2. Amtssprache und taucht auch auf allen Straßen- und Hinweisschildern auf.

Überblick

Dublin ist eine lebendige Stadt mit vielen jungen Menschen aus verschiedenen Ländern. Auch am späten Abend sind die Fußgängerzonen und Kneipen noch gut gefüllt, da es in Irland keine Ladenöffnungszeiten gibt. Einige Geschäfte haben rund um die Uhr geöffnet.

Nach dem gemeinsamen Frühstück stand am anderen Morgen die Besichtigung des Botanischen Gartens Dublin unter fachkundiger Führung auf dem Programm.

Beim Rundgang bekam man schon einen ersten Eindruck über die Pflanzenvielfalt, die hier aufgrund des Einflusses des Golfstromes (milde Winter und ausreichend „feuchte“ Sommer) gedeihen kann. Bei unseren Betriebsbesichtigungen stellten wir fest, dass die Ausbildung in diesem berühmten Botanischen Garten einen hohen Stellenwert besitzt. Viele Firmeninhaber hatten hier eine fundierte Ausbildung erhalten.

Anschließend besuchten wir in Dublin den Privatgarten von Frau Dillon, die in Irland durch ihre Gartensendungen im Fernsehen sehr bekannt ist.

Zum Abschluss des Tages machte unsere Gruppe einen Abstecher zur Versuchsanstalt der Universität Dublin. Hier werden die Erträge verschiedener Apfelsorten sowie die Züchtung von strapazierfähigen Golfgreens erforscht.

Am nächsten Tag fuhren wir mehrere Baumschulen an, die überwiegend für den irischen Markt produzieren.

Der Absatz erfolgt hauptsächlich durch Gartencenter und Privatverkauf. Dabei profitiert auch der „grüne Bereich“ von dem starken Wirtschaftswachstum (z.Zt. ca. 6%), was sich vor allem in reger Bautätigkeit (Privathäuser, Firmen) und der damit verbundenen Gestaltung der Außenanlagen zeigt.

Der Tag klang mit dem Besuch eines Whiskeybrennerei-Museums und anschließender Whiskeyprobe aus.

Auf unserer Weiterfahrt nach Galway, einer lebhaften Stadt an der Westküste, machten wir Station in Clonmacnoise, einer frühchristlichen Klosterstätte aus dem 6. Jahrhundert. Abends genossen wir in Galway das Kulturfestival, welches immer Ende Juli dort stattfindet.

Am nächsten Tag starteten wir von Galway aus zu einer Rundfahrt durch die sehr reizvolle Landschaft von Connemara, die durch Berg- und Hügelketten sowie zahlreiche Wasserflächen geprägt ist. Das Besichtigungsziel der Tagestour war Kylemor Abbey, eine Abtei, die von Benediktiner-Nonnen geführt wird.

Während der Führung machten wir leider auch Bekanntschaft mit einer kleinen, aber sehr aggressiven Mückenart. Die Schutzmaßnahmen der Teilnehmer nahmen daraufhin bekleidungstechnisch sehr interessante Züge an.

Am „Tag eins nach den Mücken“ ging die Reise südwestlich zum Burrengebiet. Dort findet der Betrachter eine außergewöhnliche Karstlandschaft mit einer einmaligen Flora vor. Ein großer Teil von Irlands Pflanzenarten wächst hier: alpine, arktische und mediterrane Pflanzen, darunter viele Orchideenarten. Weiter ging es zu den Cliffs of Moher, die zu den höchsten Steilklippen in Europa gehören.

Abends nahmen wir an einem mittelalterlichen Bankett im Dunguaire Castle teil. Dort durften wir gemeinsam mit „Lord Konrad (Herz)“ und „Lady Lucia (Lengeling)“ samt Gefolge ein rustikales Essen einnehmen und uns an einem interessanten Programm aus alten irischen Liedern und Schauspiel erfreuen.

Am nächsten Morgen besuchten wir mit den „Lordschaften“ an Bord einen wunderschönen Privatgarten in Foynes. Über Limerick ging es dann weiter auf die Halbinsel Dingle, die malerisch im Südwesten am Atlantik liegt.

Von Killarney aus führte unsere Route über Irlands berühmte Panoramastraße, dem „Ring of Kerry“. Die Rundfahrt um die Iveragh-Halbinsel ist ein absolutes Muss jeder Irlandreise. Trotz enger Straßen legte unser Busfahrer Liam zahlreiche Stops ein. So bestand die Möglichkeit, die reizvolle und abwechslungsreiche Landschaft zu genießen und im Bild festzuhalten.

Wir verließen Killarney am Tag darauf und besuchten die Insel Garinish Island, wo Anfang des 20. Jahrhunderts prächtige Gärten angelegt wurden.

Sämtliche Materialien dazu (angefangen von Oberboden bis zur Pflanze) wurden mit Booten auf die Insel transportiert. Hier zeigte sich eine gelungene Kombination von Pflanzenformen und -farben, wie übrigens auch in den anderen Parks und Privatgärten. Der jährliche Niederschlag beträgt hier ca. 2000 Liter und das Pflanzenwachstum ist doppelt so schnell wie auf dem Festland.

Der neue Morgen stand im Zeichen der mitgereisten Friedhofsgärtner: der Friedhof von Cork. Hierbei kam sehr schnell die Erkenntnis, dass die Iren eine andere Friedhofskultur pflegen, als wir. (Man erfreut hier lieber zu Lebzeiten seine Bekannten mit Blumen!)

Mit der Erkenntnis, dass man als Friedhofsgärtner hier eher ein karges Dasein fristet, ging es zum Fota Garden, einem Herrenhaus mit großer Parkanlage. Unter sehr guter fachlicher Führung konnte man alte Baumbestände und Pflanzen bestaunen, die bei uns aufgrund des Klimas nicht heimisch sind.

Danach besuchten wir das wohl schönste und farbenprächtigste Gartencenter Irlands. Dort bekam man schon auf dem Parkplatz einen Vorgeschmack auf die üppige Blütenpracht, die uns im Gartencenter erwarten sollte. Durch farbenfrohe Gestaltung und Pflanzenpräsentation sowie Musterpflanzungen auf dem Verkaufsgelände erweckt man beim Kunden die Lust auf „Mehr“. Wir stellten hier – zum wiederholten Male – fest, dass die Verkaufspreise für gärtnerische Produkte in Irland mehr als doppelt so hoch sind, als bei uns in Deutschland.

Die Besichtigung von Blarney Castle mit seinem berühmten Stein rundete das Tagesprogramm ab. Der Sage nach bekommt jeder, der diesen Stein geküsst hat, große Beredsamkeit. Beim abendlichen Pubbesuch stellte sich nach ein paar Guinness allerdings heraus, dass man dieses auch erlangen kann, ohne den Stein geküsst zu haben.

So fuhren wir mit großer Beredsamkeit im Gepäck am nächsten Morgen zu einer großen Baumschule, die sich auf die Camelienkultur spezialisiert hat.

Anschließend wurde die berühmte Kristallschleiferei in Waterford besichtigt, wo sehr hochwertige Kristallprodukte hergestellt werden. (Gläser, Siegertrophäen für Formel-1-Rennen, Segeln, Golf, Tennis etc.).

Am 12. Tag unserer Reise kamen wir – endlich – in den Genuss des „irischen Sonnenscheins“. Ein ganzer Tag Dauerregen. „Der Sommer in Irland fiel im letzten Jahr auf einen Donnerstag“!

Die Besichtigung des prachtvollen Schlossparks in Powerscourt mit italienischem und japanischem Garten sowie einem Friedhof für Haustiere war nur mit entsprechender Regenkleidung möglich. Dieses schien unseren Führer von der nahegelegenen frühchristlichen Klosterstätte Glendalough, einer Mönchssiedlung mit Rundturm, Steinkirchen und verzierten Hochkreuzen, wenig zu interessieren, denn er versuchte trotz des Regens sein Wissen an den Mann/die Frau zu bringen.

Nach einem warmen Bad trafen wir uns abends frisch gestylt zu unserem leider letzten gemeinsamen Abendessen. Bei der anschließenden Abschiedsfeier wurden Sketche und Witze von den Teilnehmern vorgetragen, sodass die Trauer über den letzten Abend in Irland schnell verflog.

Unseren ganz besonderen Dank brachten wir Sieglinde Stratmann entgegen, die diese Reise hervorragend geplant, vorbereitet und organisiert hatte.

Und plötzlich war er da! – Der Tag der Abreise.

Bei Dauerregen ging es nach Dublin zurück, wo man letzte Gelegenheit für einen Stadtbummel hatte. Auf dem Weg zum Flughafen hieß es Abschiednehmen von:

  • Greta Kelly, unserer Reiseleiterin, die uns sehr kompetent und humorvoll Land und Leute nähergebracht hat und von
  • Liam, unserem Busfahrer, der uns sicher durch die engen Straßen Irlands chauffierte und auf seine sehr lockere Art unterhielt. Zitat: Liam (das krasse Gegenteil von einem „Leichtgewicht“) war beim Arzt zum Durchchecken. „Alles OK!. Aber er meinte, es gäbe leichte Anzeichen von Magersucht.“

Mit einiger Verspätung setzte sich unser Flugzeug in Bewegung und wir landeten – gut durchgeschüttelt – wieder am Flughafen Düsseldorf.

Wir haben Irland genossen, die „Grüne Insel“ oder auch „Insel unterm Regenbogen“, welches eine liebevolle Umschreibung für das unbeständige Klima ist. Ein Land mit 3,5 Mio. Einwohnern, die in der Vergangenheit viele Tiefen durchlebt (Hungersnöte, Unterdrückung etc.), aber nie ihren Humor verloren haben.

Ein Beispiel für den irischen Humor:

„Man braucht sich nur über zwei Dinge Gedanken zu machen:
Ob es einem gut geht oder ob man krank ist.
Wenn es dir gut geht, brauchst du dir keine Gedanken zu machen.
Aber wenn du krank bist, musst du dir um zweierlei Sorgen machen:
Entweder wird es dir wieder besser gehen oder du wirst sterben.
Wenn es dir besser geht, besteht kein Grund zur Sorge.
Wenn du stirbst, gibt es nur zwei Möglichkeiten:
Entweder du kommst in den Himmel oder in die Hölle.
Falls du in den Himmel kommst, ist sowieso alles in Ordnung.
Wenn du jedoch in die Hölle kommst, wirst du damit beschäftigt sein,
Freunden die Hand zu schütteln, dass du gar nicht zum Nachdenken kommst.
– Was soll’s also?“ –

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Förderverein (Gemeinschaft der Freunde und Förderer des Bildungs- und Versuchszentrums des Gartenbaus Wolbeck e.V.) bedanken.

Als glücklicher Gewinner dieser hervorragenden Reise, die der Förderverein als „Bonus“ unter den neuen Mitgliedern ausgelost hatte, konnte ich (bin riesiger Irlandfan) die „Insel unterm Regenbogen“ zum wiederholten Male besuchen.

Danke !!! –

Richard Tarner, Meister GaLaBau   1996/97

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